Vanille Orchidee – die Kletterpflanze, an der Vanilleschoten wachsen
Die Vanille-Orchidee (Vanilla planifolia) ist eine tropische Kletterorchidee, deren Früchte die Vanilleschoten sind. Sie rankt mit Luftwurzeln an Bäumen empor, ihre Blüten öffnen sich nur für einen Tag und werden im Anbau von Hand bestäubt. Aus der grünen Kapsel wird erst durch monatelange Aufbereitung die duftende Schote. Unsere Bourbon-Vanilleschoten stammen von dieser Pflanze, gewachsen auf Madagaskar.
Orchideen kennen die meisten vom Fensterbrett: elegant, ein wenig empfindlich, schön anzusehen. Dass eine von ihnen im Vanillepudding steckt, überrascht viele. Die Vanille-Orchidee ist eine Liane, die in den Tropen bis in die Baumkronen klettert, und ihre Früchte liegen als Schoten in Ihrem Küchenschrank.
- Ist Vanille eine Orchidee?
- Vanille Orchidee botanisch: eine Kletterpflanze mit Luftwurzeln
- Die Blüte der Vanille-Orchidee
- Vanille Orchidee bestäuben: So funktioniert die Handbestäubung
- Wer hat die Handbestäubung der Vanille entdeckt?
- Frucht einer Orchidee: von der grünen Kapsel zur Vanilleschote
- Welches Gewürz wird aus einer Orchidee gewonnen?
- Stern von Madagaskar: die andere berühmte Orchidee
- Vanilleschoten pflanzen: die Vanille-Orchidee als Zimmerpflanze
- Von der Orchidee in Ihre Küche
- Häufige Fragen
Ist Vanille eine Orchidee?
Ja, Vanille ist eine Orchidee. Die Vanilleschote ist die Frucht der Vanille-Orchidee, botanisch Vanilla planifolia, aus der großen Familie der Orchideengewächse.
Zur Gattung Vanilla gehören über hundert Arten, die in den Tropen rund um die Welt wachsen. Nur wenige davon tragen Schoten mit nennenswertem Aroma. Für die Küche zählen vor allem zwei: die Echte Vanille, von der die Bourbon-Vanille stammt, und die Tahiti-Vanille (Vanilla tahitensis).
Damit ist die Vanille die einzige Orchidee, die in großem Stil als Gewürz angebaut wird. Auf Deutsch heißt die Pflanze darum auch Gewürzvanille.
Vanille Orchidee botanisch: eine Kletterpflanze mit Luftwurzeln
Die Vanille-Orchidee ist eine immergrüne Kletterpflanze mit fleischigem, grünem Stängel. An jedem Knoten trägt sie ein dickes, glänzendes Blatt und eine Luftwurzel, mit der sie sich an Baumrinde festhält.
In der Wildnis klettert sie viele Meter hoch bis ins Licht der Baumkronen. Ihre Wurzeln im Boden können dabei absterben, die Pflanze lebt dann allein über die Luftwurzeln weiter.
Ihre Heimat sind die feuchten Wälder Mexikos und Mittelamerikas. Dort wächst sie im lichten Schatten, geschützt vor praller Sonne. Auf Plantagen ersetzen Stützbäume oder Pfähle den Urwaldbaum.
| Merkmal | Vanille-Orchidee |
|---|---|
| Botanischer Name | Vanilla planifolia |
| Familie | Orchideengewächse (Orchidaceae) |
| Wuchs | immergrüne Kletterpflanze mit Luftwurzeln |
| Heimat | Mexiko und Mittelamerika |
| Blüte | blassgrün bis cremegelb, offen für einen Tag |
| Erste Blüte | nach etwa drei Jahren |
| Bestäubung | im Anbau von Hand |
| Frucht | grüne Kapsel, reif nach rund neun Monaten |
Die Früchte der Vanille-Orchidee, fertig aufbereitet: unsere Bourbon-Vanilleschoten aus Madagaskar im Aromaschutzbeutel:
Die Blüte der Vanille-Orchidee
Die Blüten der Vanille-Orchidee sind blassgrün bis cremegelb und wachsartig. Sie stehen zu mehreren in Trauben an den Blattachseln und duften nur schwach, ganz anders als später die Schote.
Jede Blüte öffnet sich frühmorgens und welkt am Abend. Eine Pflanze blüht über einige Wochen, aber jeden Tag gehen nur wenige Blüten auf.
In der Blüte trennt ein kleines Häutchen, das Rostellum, den Pollen von der Narbe. Darum kann sich die Blüte nicht selbst bestäuben. Ohne Hilfe von außen fällt sie nach ein bis zwei Tagen ab.
Vanille Orchidee bestäuben: So funktioniert die Handbestäubung
Die Vanille-Orchidee bestäuben Sie von Hand, indem Sie mit einem Zahnstocher das Häutchen in der Blüte anheben und den Pollen sanft auf die Narbe drücken. So machen es die Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Plantagen bis heute, nur mit einem dünnen Bambusstäbchen:
- Am Morgen, solange die Blüte offen ist, die Lippe vorsichtig nach unten biegen.
- Mit dem Zahnstocher das Häutchen anheben, das zwischen Pollen und Narbe liegt.
- Das Pollenpaket mit dem Finger leicht auf die Narbe drücken.
- Bleibt die Blüte am nächsten Tag am Stiel und welkt nur an der Spitze, ist die Bestäubung meist gelungen.
In Mexiko erledigen der Überlieferung nach bestimmte Bienen diese Arbeit. Welche Insekten es wirklich sind, ist bis heute nicht sicher geklärt. Überall sonst bestäuben Menschen jede einzelne Blüte.
Wer hat die Handbestäubung der Vanille entdeckt?
Die Handbestäubung, wie sie heute auf allen Plantagen üblich ist, geht der Überlieferung nach auf Edmond Albius zurück. Der zwölfjährige versklavte Junge zeigte 1841 auf der Insel Réunion, damals Île Bourbon, wie man mit einem Stäbchen und dem Daumen eine Blüte bestäubt.
Einige Jahre zuvor hatte der belgische Botaniker Charles Morren Vanille in einem Gewächshaus künstlich bestäubt. Für den Anbau im Großen setzte sich aber der einfache Handgriff von Albius durch. Er selbst hatte wenig davon und starb der Überlieferung nach in Armut.
Von Réunion aus kam die Vanille nach Madagaskar und auf die Komoren. Daher stammt auch der Name Bourbon-Vanille, mehr dazu bei Bourbon-Vanille: Was ist das?.
Frucht einer Orchidee: von der grünen Kapsel zur Vanilleschote
Die Frucht der Vanille-Orchidee ist eine schmale, grüne Kapsel, die nach der Bestäubung unterhalb der Blüte heranwächst. Nach fünf bis sechs Wochen hat sie ihre volle Länge, reif ist sie nach rund neun Monaten.
Innen sitzen in einer öligen Masse Tausende winziger schwarzer Samen. Sie sind die Pünktchen, die Sie im Vanilleeis sehen.
Frisch von der Ranke riecht die grüne Frucht kaum nach Vanille. Ihr Aroma ist in der Kapsel noch an Zucker gebunden. Erst beim Brühen, Schwitzen und Trocknen setzen pflanzeneigene Enzyme das Vanillin frei, und die Schote wird braun, weich und duftend. Wie die Bauern dabei vorgehen, lesen Sie bei Vanille Anbaugebiete.
Botanisch ist die Vanilleschote eine Kapselfrucht, im Küchendeutsch hat sich das Wort Schote eingebürgert. Auch der Name Vanille erzählt davon: Er kommt vom spanischen vainilla, kleine Hülse.

Welches Gewürz wird aus einer Orchidee gewonnen?
Das einzige verbreitete Gewürz aus einer Orchidee ist die Vanille. Sternanis, der in Rätseln und Quizfragen oft daneben steht, wächst an einem immergrünen Baum in Südchina und Vietnam und ist mit Orchideen nicht verwandt.
Auch Bourbon-Vanille ist kein eigenes Gewürz. Der Name bezeichnet Vanille von den Inseln im westlichen Indischen Ozean. In der Küche vertragen sich beide trotzdem gut: Sternanis und Vanille zusammen geben Pflaumenkompott und Bratapfel eine warme, leicht anisfrische Note.
Stern von Madagaskar: die andere berühmte Orchidee
Der Stern von Madagaskar (Angraecum sesquipedale) ist eine ganz andere Orchidee als die Vanille. Seine weißen, sternförmigen Blüten tragen einen sehr langen Sporn, an dessen Grund der Nektar sitzt.
Charles Darwin sagte 1862 voraus, dass es einen Nachtfalter mit ebenso langem Rüssel geben müsse, der diese Blüte bestäubt. Wissenschaftlich beschrieben wurde ein solcher Falter erst gut zwanzig Jahre nach Darwins Tod. Ein Gewürz liefert der Stern von Madagaskar nicht.
Vanilleschoten pflanzen: die Vanille-Orchidee als Zimmerpflanze
Aus den Samen einer gekauften Vanilleschote wächst keine Pflanze. Die Samen sind nach Brühen und Trocknen nicht mehr keimfähig, und selbst frisch keimen sie nur mit Hilfe bestimmter Bodenpilze.
Wer eine eigene Vanille-Orchidee möchte, kauft einen bewurzelten Steckling oder eine junge Pflanze in einer Orchideengärtnerei. Sie braucht dann vor allem fünf Dinge:
- Wärme: tagsüber über 20 Grad, auch nachts nicht unter etwa 16 Grad.
- Licht: hell, aber geschützt vor praller Mittagssonne, etwa an einem Ost- oder Westfenster.
- Luftfeuchte: hoch, gut gelingt das im Badezimmer, im Wintergarten oder im Gewächshaus. Besprühen Sie die Blätter regelmäßig.
- Halt: ein Moosstab oder ein Rankgitter, an dem sich die Luftwurzeln festhalten.
- Substrat: lockere Orchideenerde, gleichmäßig leicht feucht und gut durchlässig.
Bis eine Vanille im Zimmer blüht, vergehen meist mehrere Jahre, und die Ranke ist dann oft schon einige Meter lang. Blüht sie, bestäuben Sie wie oben beschrieben. Danach brauchen Sie noch neun Monate Geduld und eine kleine eigene Fermentation.
Schneller kommen Sie mit Vanilleschoten aus Madagaskar zu Ihrem Pudding.
Von der Orchidee in Ihre Küche
Die Schoten der Echten Vanille schmecken warm, rund und süßlich, die der Tahiti-Vanille blumig und fruchtig. Unsere Bourbon-Vanille stammt von Vanilla planifolia aus Madagaskar, unsere Tahiti-Vanille von Vanilla tahitensis aus Französisch-Polynesien.
Wie Sie die Schoten verwenden und wozu Vanille passt, lesen Sie bei Vanillestangen und Vanillepulver. Den Unterschied der beiden Arten im Geschmack erklärt Tahiti Vanille.
Häufige Fragen
Ist Vanille eine Orchidee?
Ja. Die Vanilleschote ist die Frucht der Vanille-Orchidee (Vanilla planifolia), einer tropischen Kletterorchidee aus Mexiko und Mittelamerika.
Wie sieht die Vanille-Orchidee aus?
Sie ist eine Kletterpflanze mit fleischigem Stängel, dicken, glänzenden Blättern und Luftwurzeln. Ihre blassgrünen bis cremegelben Blüten stehen in Trauben.
Wie wird die Vanille-Orchidee bestäubt?
Von Hand: Mit einem dünnen Stäbchen wird das Häutchen in der Blüte angehoben und der Pollen auf die Narbe gedrückt. Das geschieht am Morgen, solange die Blüte offen ist.
Wer hat die Handbestäubung der Vanille entdeckt?
Der Überlieferung nach Edmond Albius, ein zwölfjähriger versklavter Junge auf Réunion, im Jahr 1841. Sein einfacher Handgriff wird bis heute verwendet.
Welches Gewürz wird aus einer Orchidee gewonnen?
Vanille. Sie ist die Frucht der Vanille-Orchidee und das einzige verbreitete Gewürz aus einer Orchidee. Sternanis stammt dagegen von einem Baum.
Kann man Vanille als Zimmerpflanze halten?
Ja, mit Wärme über 20 Grad, hoher Luftfeuchte, hellem Standort und einer Kletterhilfe. Bis zur ersten Blüte vergehen meist mehrere Jahre.
Kann man aus einer Vanilleschote eine Pflanze ziehen?
Nein. Die Samen in gekauften Schoten sind nach der Aufbereitung nicht mehr keimfähig. Eine Vanille-Orchidee ziehen Sie aus einem Steckling.
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